Ein bisschen Gemeindegeschichte
Am 8. Oktober 1802 durfte sich der wohl erste Evangelische nach rund 200 Jahren (1614: Verbot der Niederlassung „Andersgläubiger“ durch die fürstbischöfliche Obrigkeit in Köln) wieder im bis dahin kurkölnischen und durch und durch römisch-katholischen Vest Recklinghausen niederlassen. Es war der Pächter einer Walkmühle im „Grull“ (heute: Grullbad) auf dem Gebiet der heutigen Evangelischen Kirchengemeinde Recklinghausen-Süd. Sein Name war: Peter Rentmeister.
1815 wurde das Vest preußisch als Teil der Provinz Westfalen und erhielt so einen evangelischen Herrscher, den König von Preußen.
Später zogen weitere Evangelische ins heutige Gemeindegebiet: Menschen aus der überwiegend evangelischen Grafschaft Mark (südlich der Emscher) machten das sogenannte „Hinterbruch“ und die „Hochlarer Mark“ als „Kötter urbar.
1850 gründete die Evangelische Kirchengemeinde Recklinghausen im „(Emscher-)Bruch“ die erste evangelische Schule im gesamten Vest.
1867/70 drang der Kohlebergbau über die Emscher nach Norden vor. Die erste Zeche auf Recklinghäuser Gebiet wurde „abgeteuft“, und zwar auf dem Gebiet der heutigen Evangelischen Kirchengemeinde Recklinghausen-Süd. 1875 begann die Förderung. 1884 kam noch die Förderung in Hochlarmark hinzu. So gab es ab 1870 einen starken Zuzug von Evangelischen in den Süden Recklinghausens.
1885 wurde in Bruch der erste evangelische Arbeiter-Verein im gesamten Vest gegründet.
Zwei Jahre später, am 3. Juli 1887, erfolgte die Grundsteinlegung für „eine Kirche mit Turm“ in der „Filialgemeinde Bruch“ der Evangelischen Kirchengemeinde Recklinghausen.
Am 15. November 1888 wurde die Lutherkirche eingeweiht. Sie war (nach der 1847 erfolgten Fertigstellung der Gustav-Adolf-Kirche am Rand der Recklinghäuser Altstadt) die zweite evangelische Kirche im Vest.
Am 1. Juli 1893 wurde die „Evangelische Gemeinde Bruch“ mit 2.700 Gemeindegliedern selbständig. Am 17. Januar 1894 erfolgte die Amtseinführung des ersten Pfarrers der jungen Gemeinde, Friedrich Karl Hesselmann.
1897 gründete sich ein evangelischer Posaunenchor, 1900 eine evangelische „Frauenhilfe“.
Im selben Jahr wird ein evangelischer Kindergarten an der Pestalozzistraße in Hochlarmark bezogen, 1902 wird ein durch die Frauenhilfe erstelltes „Vereinshaus“ mit einer „Kinderverwahrschule“ an der heutigen Magdalenenstraße übergeben.
Am 30. Juli 1903 wird die erheblich erweiterte Lutherkirche an der Bochumer Straße durch den Superintendenten Nebe eingeweiht.
1904 stiften der Bergwerksdirektor Funke und seine Frau der Kirchengemeinde ein Grundstück an der heutigen Overbergstraße zum Bau einer evangelischen „Kleinkinderschule“, die wenig später (1905) in ein evangelisches Waisenhaus umgebaut wurde.
Am 1. November 1911 wird die Reformationskirche in Hochlarmark in Anwesenheit des westfälischen Generalsuperintendenten Zöllner eingeweiht.
1923 werden ein evangelischer Arbeiterverein im Bezirk Grullbad und eine evangelische Sterbekasse gegründet.
Am 1. September 1928 wird Hochlarmark zu einer eigenen evangelischen Kirchengemeinde.
Kurz danach (am 1. November 1928) wird das Gemeindehaus an der Magdalenenstraße eingeweiht.
1933 richtet die Kirchengemeinde einen „Betsaal“ mit Kindergarten für den Bezirk König-Ludwig an der Ecke König-Ludwig-Straße/Alte Grenzstraße ein.
Ab 1953 hat die Kirchengemeinde Bruch drei Bezirke: Süd, Grullbad und König-Ludwig.
Am 28. März 1954 wird die Philipp-Nicolai-Kirche in König-Ludwig eingeweiht.
1957 wird ein Jugendheim mit einem Kindergarten an der Baumstraße fertiggestellt.
1959 wird an der Salentinstraße in Hochlarmark eine zweite evangelische Kirche für Hochlarmark eingeweiht.
1965 hat die Gemeinde Bruch (ohne Hochlarmark) fünf Pfarrstellen.
Am 1. Januar 1967 wird die Evangelische Kirchengemeinde Philipp-Nicolai selbständig.
Die Fertigstellung einer („Nur-Dach“-)Kirche (Paul-Gerhardt-Kirche) an der Baumstraße in Grullbad erfolgt 1970.
Ein neuer Kindergarten wird 1972 an der Magdalenenstraße bezogen.
1990 werden Wohnungen für Obdachlose im Haus Bochumer Straße 165 eingerichtet.
2006 wird die Paul-Gerhardt-Kirche in Grullbad entwidmet (Abbruch 2010).
Am 01. Januar 2007 schließen sich die Kirchengemeinden Bruch, Hochlarmark und Philipp-Nicolai zur „Evangelischen Kirchengemeinde Recklinghausen-Süd zusammen.
2009 wird die Stephanuskirche in der Salentinstraße in Hochlarmark entwidmet.
Im selben Jahr hat die Gemeinde rund 13.000 Gemeindeglieder bei sechs Pfarrstellen.
Heute hat die Evangelische Kirchengemeinde Recklinghausen-Süd rund 9.000 Gemeindeglieder (Stand Anfang 2025) mit drei Pfarrstellen.